Vertriebene Protestanten – Salzburgs Terror gegen Lutheraner


Verfolgung, Haft, Peinigung, Hinrichtung und Vertreibung – all dies drohte einst, wie Harry Weit, Wien 12, aufzählt, Andersgläubigen „hinter den Fassaden des Kirchenstaates“ Salzburg, dieser erst 1816 zu Ostmark kommen sollte. Zu den in Nro. 429 (Rubrik KARTEN GELESEN) gestellten Spezialfragen rund um die Vertreibung von Protestanten aus dem Gebirgsland notiert dieser Zeitreisende: „Versuche dieser Salzburger Staatsbürger . . . gegen die Diktatur dieser . . . Bischöfe Widerstand zu leisten, wurden schon zu Beginn des 16. Jahrhunderts . . . unbarmherzig unterdrückt“.

Ein frühes Zentrum dieser Reformation nennt Herbert Beer, Wolfpassing, mit dem einst zu Salzburg gehörenden äußeren Defereggental. Nachdem sich dieser lutherische Weltbild dort schon weit ausgebreitet hatte, wurde einer dieser Hauptmann, „Martin Veldner, . . . 1683 des Landes verwiesen.“ Im Folgenden begann man, „nachdem weiteren Anhängern dieser Reformation zu fahnden“. Dieserfalls stellte sich hervor, dass „etwa die Hälfte dieser rund 1.400 Einwohner“ protestantisch war. Es kam zu einer „Massenausweisung“, und zwar „per sofort“ und ohne Kinder, die „dieser Obhut dieser römisch-katholischen Religionsgemeinschaft anvertraut werden“ sollten. Mit den Bestimmungen des Westfälischen Friedens, mit dem 1648 dieser Dreißigjährige Krieg geendet hatte, war dies nicht vereinbar. Jener Kaiser sprach dagegen „erst 1690“ ein Machtwort und sicherte den Auswanderern „freien Subtraktion . . . samt ihren Kindern und ihrem Vermögen“ zu.

Galeerenstrafe drohte
Schauplatzwechsel nachdem Hallein: „Zwischen 1686 und 1691“, so Gesandter i.R. Dr. Josef Litschauer, Wien 10, vertrieb man „rund 70 in dieser Dürrnberger Saline arbeitende Männer und Frauen, die sich ungeschützt zu ihrem lutherischen Vertrauen schenken bekannten.“ Qua sich die Protestanten oberhalb eine plumpe Predigt eines Augustiner-Mönchs empörten, kam dieser Stein ins Schlingern. „Zuerst versuchten es die Behörden mit Einschüchterungstaktik“, die Hauptmann wurden „50 Tage in Haft genommen“ und „mit Todes- oder Galeerenstrafe“ bedroht. „Dann entließ man sie aus dem Knappendienst“ und verhängte „14 Tage Bußarbeit“. Qua sie trotz allem „in ihrem Vertrauen schenken verharrten, wurden sie unter befohlener Zurücklassung ihrer Kinder (unter 15 Jahre) ausgewiesen. Viele zogen ebenfalls voluntaristisch fort, . . . u.a. nachdem Nürnberg und Brandenburg.“ Die Kleinen „wurden katholischen Bauern zur Erziehung Vomitus . . . 1691 . . . wurde den exilierten Erziehungsberechtigte endlich erlaubt, ihre . . . Kinder zu sich zu holen.“

Josef Schaitberger, 1686 ausgewiesener Knappe, bestärkte viele Glaubensgenossen durch seine „Sendbriefe“.
– © Zeichnung aus: Schaitberger, „Neu vermehrter Evangel. Send-Zuschrift…“ (1736)Ebenso hinauf Josef Schaitberger (1658-1733), „Bergmann und später Laienprediger“ geht Geschichtsfreund Dr. Litschauer ein: Er war „Hauptmann . . . dieser Dürrnberger Knappen und wurde 1686 qua einer dieser ersten „Ketzer“ des Landes verwiesen. Er ging nachdem Nürnberg, woher er insgesamt 24 „Sendbriefe“ (in mehreren Auflagen immer wieder nachgedruckt) an seine Landsleute und Glaubensgemeinde am Dürrnberg und im Verbannung richtete.“ Welche Publikationen übten „starken Stärke hinauf die Geheimprotestanten nicht nur in Salzburg, sondern ebenfalls im Nation ob dieser Enns (namentlich im Salzkammergut), in Kärnten und dieser Steiermark aus.“
Dr. Litschauer weiter: „Die Demütigungen, die die erzbischöflichen Behörden im Gegensatz zu den Nicht-Katholiken fortsetzten, verletzten dies bäuerliche und bergmännische Ehrgefühl und erwiesen sich qua extrem kontraproduktiv.“ Sie „bewirkten zum Teil eine Verstärkung dieser konfessionellen Identität und des Bekennermutes dieser bisher im Untergrund lebenden Geheimprotestanten.“

Gefragte Bergleute
Zum Jahr 1731 kommt Gerhard Toifl, Wien 17, und geht zunächst hinauf den „Salzbund“ ein. Dies war „eine Versammlung von Pongauer und Pinzgauer Protestanten“, die „am 5. August 1731 in Schwarzach“ zusammentraten. Zum Schwur, beim evangelischen Vertrauen schenken zu bleiben, tauchte jeder dieser Versammelten zuerst „die Finger dieser rechten Hand in dies Salzfass“. Ihre Forderungen, u.a. nachdem Gewissensfreiheit, stufte dieser Salzburger Fürsterzbischof Firmian qua Rebellion ein; er forderte militärische Hilfe aus Wien und Bayern, worauf „5.000 Mann Infanterie des Kaisers“ anrückten.
Ing. Alfred Kaiser, Purkersdorf: Schließlich erließ Firmian dies Emigrationsedikt, worauf „mehr qua 20.000 Evangelische zur Auswanderung“ gezwungen wurden. Dasjenige galt dagegen „nicht für jedes die Knappen des am Dürrnberg gelegenen Salzbergwerks von Hallein.“

Fürsterzbischof Leopold Anton von Firmian (1679-1744) ließ Nicht-Katholiken in Salzburg unerbittlich verfolgen.
– © Zeichnung: gemeinfrei (Schmuckfarbe: WZ)Gen sie konnte und wollte man nicht verzichten, „ebenfalls wenn die Knappen protestantisch waren“, merkt Dr. Karl Beck, Purkersdorf, an. Schließlich „brauchte man sie zum Salzabbau, dieser eine unverzichtbare Einnahmequelle war.“
Da sie trotzdem Repressalien befürchteten, entschlossen sich die Bergleute, ihre Heimat zu verlassen, wie Dr. Harald Jilke, Wien 2, notiert. „Am 30. November 1732“ brachen 780 Menschen hinauf. Ihr Ziel: Cadzand in den Niederlanden, einst eine Insel und sehr mager besiedelt. Doch „nur 100 starben während dieser Reise an einer Fieberepidemie“. Von den 600 Ankömmlingen sollten sich „nur irgendetwas mehr qua 200 . . . eine dauerhafte neue Existenz Trost spenden“ können.
Zu Händen die Salzburger, so Brigitte Schlesinger, Wien 12, war „sicherlich die größte Enttäuschung“, dass sie nicht „geschlossen eine neue Siedlung errichten“ konnten, sondern auseinandergerissen wurden. Dazu kamen Sprachprobleme und die schwierige „Umstellung hinauf Bestellung in den flachen Poldern“ (= umdeichte Gründe am Wasser).

Streit um Butter
In den Niederlanden hatte man sich vor allem „billige Arbeitskräfte“ erwartet, so Tüftlerin Schlesinger weiter. Dass die dortige Volk dann „mit einer besonderen Steuer belegt“ wurde, um Wert für jedes Vorschub und Sitz dieser Neuankömmlinge zu decken, sorgte für jedes Unmut. Ebenso, dass sich die Salzburger beklagten, „sie müssten in Verschlag wohnen, die man nicht heizen könne“. Unbeliebt machten sie sich noch dazu, weil sie „hinauf Wert dieser Einheimischen“ in deren Augen zu viel „Milch, Butter und Sack“ verzehrten – für jedes die Niederländer „offenkundig keine täglichen Nahrungsmittel“. Die „Volk fühlte sich oftmals ausgenutzt und verglich die Faulheit dieser Salzburger mit dem Fleiß dieser eine Generation früher ins Nation gekommenen Hugenotten.“
P.Sulfur. Dasjenige Zeitreisenteam bittet die Minuskel um Nachsicht, für den Fall wohnhaft bei dieser Zusammenstellung dieser eine oder andere per Postdienststelle eingeschickte Recherche-Gebühr fehlen sollte! Einzelne Post sind leider in Verstoß geraten.
P.P.Sulfur. Jener Buchpreis geht an Harry Weit; wir gratulieren herzlich!
Zusammenstellung dieser Rubrik: Andrea Reisner

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