Tom Jones Konzert – Popstar mit Pointen


Meine Augen werden schwächer, meine Votum wird brüchiger, meine Seufzer werden tiefer, meine Schritte werden langsamer, ich werde älter.“ Mit diesen Songzeilen hat Tom Jones sein Publikum im Wiener Konzerthaus am Sonntag willkommen geheißen. „I’m Growing Old“ – ein bedächtiges, nachdenkliches Song, begleitet alleinig vom Pianoforte – im Urschrift von Jazzmusik-Arrangeur Bobby Cole -, dies den Eindruck erwecken konnte, Sir Tom würde womöglich altersbedingt ruhigere Töne Taste eines Musikinstruments drücken.

Dies war wohl nur eine fröhliche Streich, die welcher Sänger, welcher noch ohne verschmelzen Ton gesungen zu nach sich ziehen, mit Standing Ovations begrüßt worden war, sichtlich genoss. Dies zeigte ein keckes Jumpen, wenn seine Kapelle im bunten Discolichtgewitter aufwärts die Boden kam und ihm eine munter stampfende Version von Bob Dylans „Not Dark Yet“ qua Rutsche in ein keineswegs mehr so bedächtiges Konzertfahrwasser legte. Es war nicht die einzige Bob-Dylan-Nummer, die Tom Jones an diesem Abend in ein neues Klangkleid hüllte – „One More Cup Of Coffee“ sollte noch nachstellen. Jene Coverversion findet sich neben einigen anderen Neuvertonungen mehr oder weniger bekannter Stücke aufwärts dem Album „Surrounded by Time“, dies Jones 2021 herausgebracht hat. Scherzhaft erklärte er im Konzerthaus den Titel „Umgeben von Zeit“ damit, dass es ihn ja schon seit dieser Zeit Anbeginn welcher Zeit gebe. Dies ist eine treffliche Hype, wohl 82 Jahre sind es doch schon. Da sammelt man schon verschmelzen üppigen Katalog an Songs an, denen man immer schon einmal eine eigene Note schenken wollte. Hinauf „Surrounded By Time“ sind dies vor allem Nummern aus dem Soulmusik-, Jazzmusik-, Folk- und Country-Bezirk. Und zweitrangig Gospel: „I won’t crumble with you if you fall“ hat er qua berührende Huldigung an seine große, tief Liebe, seine Ehefrau von 59 Jahren, Linda, die 2016 gestorben ist, aufgenommen. Live hatte jene Selbsterkenntnis, dass die Gesamtheit Füreinander-Dasein einmal ein Finale nach sich ziehen muss, mit welcher gereiften Votum im Kern von esoterischen Tastatur-Schlieren, noch mehr Macht qua aufwärts dem Album.

KonzertTom JonesKonzerthaus Wien

Welches sollen die Congas?
Welches man übrigens für jedes sozusagen jeglicher Nummern sagen kann: etwa „Popstar“ von Cat Stevens, zu dessen Elektro-Xylofon-Pilimpilimpims Tom Jones ganz entzückend die Finger tanzen ließ und dies er nachgerade dramaturgisch aufbaute, mit einer sich schelmenhaft aufbauenden Pointe. Solcherart scherzte er ein paarmal nur mithilfe seiner Singstimme und mitunter seiner Hüfte. Vor allem zwischen seinen altbekannten Hits, da durfte es gerne zweitrangig ein ausgesprochener Schelm sein: Welches er denn da mit den Congas vorhabe, fragte er einmal den Perkussionisten – wo die Menge schon jubelnd wusste, wo die Reise hingeht: zu „It’s Not Unusual“ natürlich.
Nur einer von mehreren Fan-Stimmungsmachern, die in ihren neuen Arrangements zweitrangig dem Routinier Spaß zu zeugen schienen. „Sex Bomb“, dieser zwar effektive, wohl zweitrangig reichlich öde Comebackhit, wurde in einer aufgerauten Rockversion mit So gut wie-A-Cappella-Herbeiführen dargereicht, „Delilah“ mit an Balkanhochzeiten gemahnendem Handharmonika. Und immer wieder wirkte es, qua würden die Blues Brothers um die Spitze lugen.
Weil wohl die Balance zwischen Party und Introspektion zwischen diesem Musikaufführung perfekt gelang, fuhr einem Tom Jones mit Leonard Cohens „Tower of Song“ dann noch schlechtweg ins Kardia. Wie allerletzte Zugabe predigte welcher Sir im goldenen Oberhemd noch den Gospel „Strange Things Happen“ – welches man zweitrangig darauf beziehen konnt, dass dieses Musikaufführung nachher drei (!) coronabedingten Absagen nun tatsächlich stattfinden konnte. Gottheit sei Erkenntlichkeit.

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