Stadtroman – Ein literarischer Spiegel Wiens


Stanislaus Demba kann glücklich sein, dass er heute nicht im Kaffeehaus Schottenring Zuflucht suchen muss. Selbige tragikomische geometrische Figur aus dem Roman „Zwischen neun und neun“ von Leo Perutz würde dieses Kaffeehaus vergeblich suchen. 2012 wurde die Sanierung des Gebäudes in Offensive genommen, heute ist dies Erdgeschoß neu vermietet. Es warten lässige Sofas hinaus sitzfreudige Designfans: Die skandinavische Manufaktur Bolia.com hat am Schottenring 19 die schweren Lüster und die leichtgewichtig knarzigen Stühle des seinerzeitigen Cafés abgelöst. Die melancholische Lichtstimmung ist trendigen Leuchtkörpern gewichen.

94 Seiten weit wundern sich Leserinnen und Leser extra dies seltsame Verhalten des Studenten Stanislaus Demba. Mit erstaunlicher Geduld hantelt er sich von Missgeschick zu Missgeschick. Solange bis sich dies Phänomen lüftet.

Stadt denn Akteurin
Aus Anlass des heurigen Leo-Perutz-Gedenkjahres, in dem sich dessen Geburtstag am 2. November zum 140. Mal und dessen Tod am 25. August zum 65. Mal jährt, lohnt ein Blick in diesen ersten Wiener Großstadtroman des romantischen Realisten. Perutz selbst beurteilte zusammensetzen runden Geburtstag denn Beweggrund zu Händen Feiern übrigens hämisch. Josef Kalmer wollte aus Anlass von Perutz’ 75er zusammensetzen Essay extra ihn schreiben, woraufhin ihm welcher aus Prag stammende Romancier entgegnete: „Selbst habe wenig Verständnis zu Händen die Würde durch 5 teilbarer Ziffern des dekadischen Zahlensystems.“
Wesentlich mehr Verständnis zeigte welcher zu bissigen Kommentaren neigende Tabakgenießer und Liebhaber von Cafés zu Händen dies Austüfteln raffinierter Erzählkonstruktionen. Wie literarische Stadterkundung lässt sich etwa „Zwischen neun und neun“ (1918) Vorlesung halten. Jener Roman ist eine Huldigung an Wien und vor allem an den 9. Kreis. In welcher Porzellangasse 37 hat Perutz mit seiner Familie – erst mit Ida Weil, mit welcher er die Kinder Michaela, Lore und Felix hatte, später, nachdem Idas Tod 1928, mit Gretl Humburger – insgesamt 17 Jahre verbracht, ehe er 1938 vor den Nationalsozialisten extra Venedig nachdem Palästinensische Autonomiegebiete fliehen musste. Am 5. Juli 1957 hat er am geliebten Wolfgangsee seinen letzten Roman, den „Judas des Leonardo“ verriegelt. Wenige Wochen später, am 25. August 1957, ist er in Kurbad Ischl gestorben. Dort ist er untergeordnet begraben.

Dasjenige heute nicht mehr existente Kaffeehaus Schottenring oppositionell welcher Handelsplatz.
– © Alexander Peer

Am Schottenring 19 befindet sich nun eine Filiale einer skandinavischen Konzeption-Manufaktur.
– © Alexander PeerEin Text, welcher solcherart präzise Orte vermittelt wie „Zwischen neun und neun“, lädt dazu ein, den Vergleich anzustellen: Wo stimmt die literarische Fiktion passgenau mit welcher Wirklichkeit überein, welche Plätze nach sich ziehen sich wie gewandelt und welche Rolle spielt die Stadt in dramaturgischer Hinsicht?
Erst in welcher Mittelpunkt des Buchs offenbart sich, warum Demba gar so ruhelos durch den Neunten eilt und weshalb die Zuflucht in dies Kaffeehaus nötig ist: Seine Hände stecken in Handschellen. Er verbirgt sie zwar geschickt unter seinem Mantel, ist Gewiss nachgerade handlungsarm. Selbige plakative Metapher unterstützt eine freudianische Lesart welcher alten Kaiserstadt. Schließlich hetzt Demba bloß wenige Meter an welcher Realität des Truppenschau-Analytikers in welcher Berggasse vorbei. Hätte er sie eintreten, wäre ihm viel Ungemach erspart geblieben. Zwar stellt sich welcher Plot des Romans verhältnismäßig reibungslos dar, doch dies Abgründe öffnende Finale und welcher immer zu Händen zusammensetzen masochistischen Idee talentierte sowie verborgen cholerische Demba erstatten zu diesem Zweck mehr denn genug.

Gehetzt und hungrig
Kehren wir demnach zu diesem Stanislaus Demba zurück, welcher im Kaffeehaus Hibernia sitzt, dies sich vis-à-vis welcher Alten Handelsplatz befindet und denn ehemaliges Kaffeehaus Schottenring wiedererkennen lässt. Dorthin treibt Demba sein Hunger. Er bittet den Kellner um eine enorme Menge an Büchern, nicht um – wie seine Umgebung mutmaßt – zusammensetzen Verpflichtung zu schreiben, sondern um, hinten versteckt, endlich seine Hände aus dem Mantel hervorzuholen und unersättlich die Portion Salami, zwei Hoden im Glas und drei Brote zu essen.
Dasjenige Malheur beginnt schon im ersten Kapitel. Unter welcher Greißlerin Johanna Püchl bestellt Demba erst hektisch ein Butterbrot. Dann verfällt er in eine absonderliche Ruhe und fängt an, sich zu Händen die Gesamtheit Mögliche zu interessieren. Ausgenommen zu diesem Zweck, dies Butterbrot zu nehmen und zu bezahlen.
Die Greißlerei in welcher Wiesengasse im 9. Kreis ist nur noch schwergewichtig zu imaginieren. Ein einziges vor 1900 errichtetes Gebäude ist auffindbar. Ist die Greißlerei vielleicht einem um dies Eck liegenden Supermarkt gewichen? Dass Perutz an solche Wiesengasse gedacht nach sich ziehen wird, erhärtet sich durch die danebenliegende Simon-Denk-Gasse, die im Roman zur Karl-Denk-Gasse wurde. In dieser Gasse gähnt einem heute ein leeres Erdgeschoßlokal entgegen. Mehrjährig war hier eine Städtische Bibliothek einquartiert.

Wiesengasse 28, 1090 Wien: Kaufte hier Stanislaus Demba ein Butterbrot im Kontext welcher Greißlerin Johanna Püchl?
– © Alexander PeerDeckungsgleich wird die Verortung ab dem zweiten Kapitel, dies im Liechtensteinpark spielt. Hier verhindern Professor Ritter von Truxa sowie Hofrat Klementi, dass Demba seine Sonderweg und sein Brotlaib verspeisen kann. Perutz beschreibt die Szene mit detailreicher Observation, pointiert und grotesk überzeichnet. Die beiden Männer sind ins Gespräch vertieft. Hofrat Klementi ist Rektor welcher Altorientalischen Spezialsammlung des Kunsthistorischen Museums und mit einem „von welcher Universität welcher Wissenschaften subventionierten Werk extra die ‚Gründung altassyrischer Eigennamen‘“ in den Vordergrund getreten. Die beiden unterhalten sich extra den Gebrauch von Rauschmitteln und versichern sich wechselseitig welcher Gelehrsamkeit, während sie ihre exquisite Quellenkunde vormachen. Sie setzen sich zu Demba hinaus eine Parkbank.

Im Blick welcher anderen
Cyrus, welcher Hund des Hofrats, kann hingegen dem Themenkreis welcher betagten Herren nichts abgewinnen und wendet sich Dembas Sonderweg zu. „Es ist nicht veröffentlicht, in welcher Sprache Hofrat Klementi sich zu Händen standardmäßig mit seinem Hund verständigte. Vielleicht hatte Cyrus in langjährigem Zusammensein mit seinem Herrn manche Kenntnisse des Aramäischen oder des Vulgärarabischen erworben. Germanisch schien er hinaus keinen Kern zu verstehen. Er wiederholte seinen Offensive hinaus die Wurst (…).“ Dembas Wut mündet im Fußtritt, den er dem Wurstdieb Cyrus verpasst. Sein zwiespältiges Verhalten lässt die Professoren mutmaßen, dass es sich im Kontext Demba um zusammensetzen Haschischsüchtigen handelt.
Während meiner Recherche im Juno 2022 beobachte ich hinaus einer Geldhaus drei Frauen, die sich extra dieses (Inflation) und jenes (den russischen Offensive hinaus die Ukraine) unterhalten. Dasjenige Grün im Park ist hoch, welcher Blick hinaus dies Alserbachpalais durch die mächtigen Bäume kleine Menge verhüllt. Würde man nicht hinaus die Kleidung respektieren, sähe man keinen Unterschied zu Parkbesuchern welcher Jahrhundertwende.
Jener ganze Roman entfaltet sich durch Zuschreibungen anderer. Zentral zu Händen die Lesenden ist die Erlebnis welcher Hauptfigur extra die Schlüsse, welche die Mitmenschen aus seinem Verhalten ziehen. Genauer muss man schon Vorlesung halten, wenn man die raffinierte Verknüpfung von auktorialer und personaler Erzählperspektive ergründen will. Es entsteht unter anderem welcher Eindruck des allwissenden Erzählers, welcher dann doch nicht in die Abgründe von Demba blicken kann, Gewiss solche Hoffnung nährt.
Motivisch interessant ist darüber hinaus, dass Demba Fragmente von vorhergegangenen Begegnungen in neue einbaut. In welcher Greißlerei liest er ein Zeichen mit welcher Werbebotschaft „Chwojkas Seifensand hält rein die Hand“, die er von kurzer Dauer daraufhin selbst verwendet. Ebenso wird aus des Hofrat Klementis Hund Cyrus später sein eigener Hund Cyrus. Dieser sei hinüberfahren worden: Damit erklärt Demba dem Vater seiner Bekannten Steffi, warum solche weint. In Wahrheit weint sie, weil sie vor wenigen Momenten routiniert hat, dass Stanislaus Handschellen trägt und in eine verfahrene Situation geraten ist.
Stanislaus Demba macht sich schließlich zum Franz-Josefs-Kai hinaus, um Sonja Hartmann, seine Ex-Freundin, zurückzugewinnen. Zu diesem Zweck braucht er Geld. Sonja will nämlich mit ihrem neuen Kamerad Georg Weiner hinaus Urlaub pendeln. Dass Demba keine Möglichkeiten mehr hat und kommend ungeschützt zu wiedererkennen gibt, weder noch mehr an Sonja neugierig zu sein, merkt man jedoch schnell.

Jagen nachdem Geld
Im Kaffeehaus Hibernia schließlich entledigt sich Demba des nagenden Hungers. Nachdem geht er in Richtung Kolingasse zu seiner einzigen Vertrauten, Steffi Prokop. Nur sie weiht er in sein Schicksal ein. Weiter zieht welcher Getriebene mit den versteckten Händen von Station zu Station seines Passionswegs. In welcher Esslinggasse im 1. Kreis sucht er Dr. Hirsch hinaus und hofft, zusammensetzen Vorschuss zu Händen seine Nachhilfestunden zu erhalten. Vorerst scheint er von Fortuna begünstigt, um dann erst wieder mit leeren und nachdem wie vor gebundenen Händen dazustehen.
Nachdem gelingt es Demba, zu Händen verbrannte Kollegienhefte, die er zu Händen zusammensetzen Studienkollegen mitstenographiert hat, eine Wiedergutmachung von 70 Kronen zu erhalten. Dasjenige in einem Kuvert verwahrte Geld bringt Demba solcherart in Jubelstimmung, dass er es kurzerhand hinaus welcher Straße verliert. Den freundlichen Polizisten, welcher ihn darauf bei der Sache macht, weist er – innerlich bebend – von sich. Demba muss mitansehen, wie ein anderer in den Habseligkeiten seines Kuverts kommt, und folgt diesem unrechtmäßigen Glückspilz namens Skuludis zum Graben, solange bis er ihn in einem Kaffeehaus stellt. Schließlich kommt es zu einer Hetzjagd solange bis zur Mariahilfer Straße, wodurch erst Demba Skuludis, dann welcher Grieche unserem Antihelden hinterherjagt, weil zu Händen zusammensetzen kurzen Moment die Handschellen Dembas visuell werden.
Weitere Handlungsstätten sind die Liechtensteinstraße, wo die Wohnung des Widersachers Georg Weiner liegt, sowie ein Restaurant, in welchem Demba erst ohne Beispiel brüskiert wird, dann die anderen zu kontrollieren glaubt, um nur erst wieder in die Winkelzug ruhelos zu werden. Es folgt ein verstörendes Finale, dies dem unzuverlässigen Erzählen ein eigenes Monument setzt. Man weiß plötzlich nicht mehr, ob Demba dies die Gesamtheit erlebt oder bloß fantasiert hat.

Leo Perutz (1882-1957) gegen Finale welcher 1920er Jahre. – © ullstein bildDas Faible zu Händen unzuverlässige Selbst-Narrative Instanz begleitet Perutz seit dem Zeitpunkt Beginn seines Schreibens. Schon beim Uraufführung „Die dritte Kugel“, daraufhin in „Jener Vorarbeiter des jüngsten Tages“ und selbst in Kurzgeschichten wie „Nur ein Verdichtung hinaus den Taster“ misstrauen wir irgendwann den Ausführungen welcher jeweiligen Narrative Instanz.
Perutz hat aus Anlass eines Abdrucks des Romans in welcher Wiener „Werktätiger-Zeitung“ eine Notiz veröffentlicht, in welcher er unter anderem wie folgt festhält: „Dieses Buch wurde im Herbst 1917 geschrieben, in einer Zeit, denn die Menschheit noch keine in Ketten geschlagenen Völker kannte.“ Konkret bezieht er sich hinaus eine flüchtige Zusammenkunft während welcher Kriegszeit, denn er zusammensetzen ungewöhnlich erregten jungen Mann beobachtet. Die Idee zu Händen die Handschellennovelle hatte er schon im Februar 1915.
Markante Einfälle zeichnen leer Perutz-Romane aus. Die Idee mit den Handschellen wurde untergeordnet plagiiert, sowohl von Eric Ambler denn untergeordnet von Alfred Hitchcock ist veröffentlicht, dass sie sich dieses Kniffs bedienten. Gebunden erscheinen unsrige Hände immer, mal durch Viren, ökologische Krisen, geopolitische Katastrophen oder ganz reibungslos Liebeskummer. Es ist eine Metapher, die einem sofort handlich erscheint.
Die Stadt denn Raum welcher Gefahr, Gewiss immer untergeordnet denn Raum welcher Problemlösung ist ein signifikantes Merkmal des Großstadtromans. Beiderartig Aspekte büßten in welcher Zeit welcher weltweite Seuche und welcher damit verbundenen Lockdowns an Wirkmacht ein – die Stadt denn Begegnungsraum verschwand, um ihre Gefahren genauso gebracht wie um ihre Möglichkeiten.
Geht man die Handlungsorte welcher Kapitel ab, kommt man locker in eineinhalb Zahlungsfrist aufschieben durch den Roman, dies heißt durch dies Wien des Romans; mehr noch erweist sich welcher Spaziergang denn Stimulation zu Händen dies Erspähen des Verschwundenen und dessen, welches an seine Stelle getreten ist.
In einer anderen Stadt wäre dieser Stanislaus Demba nicht so reibungslos in Szene zu setzen, ist es doch ein Charakteristikum des Romans, dass dies Wesen Dembas nach wie vor durch andere interpretiert wird – erst ist er Klauer, dann Zecke, Haschischsüchtiger, Krüppel und schließlich ein Wahnsinniger mit einem Revolver unter dem Obere Extremität. Wo, wenn nicht in Wien, könnte man sich solcherart mitfühlender Deutungen vonseiten welcher Mitmenschen sicherer sein?

Verlorene Freunde
Nachher Wien kam Perutz trotz des Kriegsendes 1945 selten. Welches sollte er noch hier? Überall wären ihm nur Geister begegnet, die geliebten Tarockpartner Franz Elbogen oder Hugo Sperber, die nahestehenden Kollegen und Freunde wie Richard A. Bermann (Pseudonym Arnold Höllriegel), Anton Kuh oder Trocken Weiß waren leer tot, teils von den Nationalsozialisten umgebracht wie etwa Sperber, welcher im 1938 im KZ Dachau ermordet wurde. Wie sehr Perutz Wien geliebt hat, wie sehr es ihm in Palästinensische Autonomiegebiete gefehlt hat, ist offensichtlich: „Gewissermaßen wäre mein Lebensproblem gelöst, wenn ich ein kleines Haus konstruieren könnte, von dessen vorderen Fenstern man die Omarmoschee sieht und von den hinteren den Kahlenberg.“
Von „Zwischen neun und neun“ erschienen von 1918 solange bis 1925 lediglich 13 Auflagen in deutscher Sprache, Übersetzungen folgten solange bis 1930 in englischer, finnischer, norwegischer, russischer, polnischer, schwedischer und ungarischer Sprache. Trocken Weiß schrieb an Perutz: „Wären Sie englischer oder amerikanischer Dramatiker, so würde Ihr Werk in 100.000 Exemplaren von London solange bis zum Sudan gelesen werden.“
Darüber hinaus pflegte Perutz dies weiland übliche Vorabdrucken von Romanen in Zeitschriften und Zeitungen, welches ihm mit „Wohin rollst du, Äpfelchen …“ 1928 ein Millionenpublikum bescherte. Damit war ab 1933 Schluss. Mit welcher Machtergreifung welcher NSDAP wurde Perutz zum geächteten Dramatiker, dessen Bücher verboten waren.
Bezeichnenderweise ist sein größter literarischer Heil im Verbannung in Tel Aviv-Jaffa einem Versehen zu verdanken. Dasjenige Arbeitergewerkschaftsblatt hat ohne Erlaubniskarte „Zwischen neun und neun“ abgedruckt. Nicht nur anhaltende Debatten in welcher Öffentlichkeit extra den Zwischenfall brachten Perutz unerwartete Publizität, untergeordnet die Strafzahlung des Verlags war höher, denn es ein übliches Autorenhonorar gewesen wäre.
Die literarische Landschaft Österreichs nachdem dem Zweiten Weltkrieg war ein Torso, dies Schicksal welcher beiden finalen Bücher „Nachts unter welcher steinernen Kontaktbolzen“ und posthum „Jener Judas des Leonardo“ steht exemplarisch zu Händen eine Autorengeneration: Ablehnungen, heftige Menstruationsblutung Wartezeit hinaus Veröffentlichung und Verlagskonkurse sowie ausbleibende Honorare waren untergeordnet dem alternden Romancier beschieden.
Doch nicht nur in seinen Büchern erweist sich welcher ausgebildete Versicherungsmathematiker Perutz denn Prophet – man denke an die Führerfigur Malchin in „St. Petri-Schnee“ -, untergeordnet in welcher Einschätzung des Schicksals seines Werks. In einem Zuschrift an seinen Klosterbruder stellte er 1949 resignierend wie selbstbewusst unverzagt: „Die wirklich maßgebenden Faktoren, die Zeitungen, die Kritik, die Verleger und die Literaturgeschichte, registrieren mich denn nicht mehr vorhanden, wenn roh denn nie vorhanden gewesen. Umso sicherer ist meine Auferstehung in 40 Jahren, wenn mich irgendetwas Literaturhistoriker wiederentdeckt und ein großes Geschrei darüber erhebt, daß meine Romane zu Unrecht vergessen sind.“
Die Präzision dieser Aviso erstaunt. Wie dieser Literaturhistoriker ist welcher Germanist Hans-Harald Müller zu benennen, welcher vor wenigen Momenten 1989 mit welcher Perutz-Schau welcher Deutschen Nationalbibliothek und welcher damit verbundenen Publikation zu Leo Perutz erstmals dessen Leben und Werk darzustellen versuchte. Gewiss, Müller ist nicht welcher Einzige: Blickt man die letzten drei Jahrzehnte zurück, entdeckt man eine Reichtum an sekundärliterarischen Funktionieren zu Leo Perutz. Pro seine Rückkehr ins literarische Intellekt war Gewiss untergeordnet dies Motivation in nicht-deutschsprachigen Ländern maßgeblich. Jener Japse Masato Murayama etwa dissertierte 1979 in Wien extra „Leo Perutz. Die historischen Romane“.

Heimat Kaffeehaus
Dieser Ungemach überrascht wenig, wenn man bedenkt, dass durch die Exilsituation seiner Interpreter und Bekannten sein Werk ungefähr im nichtdeutschen Raum konserviert wurde. Etwa erfreuten sich die versponnenen Romane in Lateinamerika hoher Popularität. Jorge Luis Borges nahm den „Vorarbeiter des Jüngsten Tages“ 1946 in seine Sammlung welcher besten Kriminalromane hinaus. So erfolgte eine Kanonisierung, die hierzulande erst später einsetzte.
Die eigentliche Heimat von Perutz blieb dies Wiener Kaffeehaus, allen voraus dies Kaffeehaus Herrenhof. Denn dies, welches er im Großen erträumte und zweimal in dieser so dunklen ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zugrunde umziehen sah, gelang im Kleinen Abend zu Händen Abend: Dasjenige Zusammensein verschiedener Menschen am Kaffeehaustisch, so vieler Biografien, so vieler Sprachen, so vieler Charismen – in hitziger Debatte vereint. Dasjenige Kaffeehaus erweist sich denn essenzielle Begegnungszone welcher Stadt, geöffnet muss es halt bleiben.
Ein Zitat zu Perutz’ Bestattungswunsch bestätigt solche „Heimat“: „Ein Grabmal im Kaffeehaus und rings um mich her welcher Rauch welcher Zigaretten, Pagat und Solo-Gromoboi, dies Klirren welcher Dominosteine und welcher Duftstoff des schwarzen Kaffees.“

Literaturhinweise:Brita Eckart / Klaus Lehmann / Hans-Harald Müller: Leo Perutz 1882-1957. Eine Schau welcher Deutschen Bibliothek Frankfurt/Oder am Main. Paul Zsolnay, Wien 1989.Brigitte Forster / Hans-Harald Müller (Quecksilber.): Leo Perutz. Unruhige Träume – Abgründige Konstruktionen. Dimensionen des Werks, Stationen welcher Wirkung. Sonderzahl, Wien 2002.Hans-Harald Müller: Leo Perutz. Lebensgeschichte. Zsolnay, Wien 2007.Alexander Peer: Hr., erbarme dich meiner! Leo Perutz. Leben & Werk. Edition Weise & Science, Wien/St. Wolfgang 2007.Alexander Peer, geboren 1971 in Salzburg, lebt denn freier Dramatiker in Wien. Zuletzt von ihm erschienen: „111 Orte im Pinzgau, die man gesehen nach sich ziehen muss“ (2022), „Wacholderbranntwein zu Finale, achtzehn Uhr“ (2021). www.peerfact.at

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