Peter Schidlof – Feinfühliger Mittler mit edlem Ton


Wie am 5. Juli 1987, einem lauen Sommerabend, vier soignierte, mausgrau melierte Herren im weißen Smoking aufwärts dem blumengeschmückten Podium jener ausverkauften Town Nachhall von Cheltenham in Süd-West-England Sitzgelegenheit nahmen, ihre kostbaren Instrumente stimmten, um mit dem Allegro ma non tanto aus dem Streichquartett von Ludwig van Beethoven Op. 18 Nr. 4 anzusetzen, ahnte wohl niemand unter den Zuhörern, dass es jener letzte Live-Entertainment des weltberühmten Amadeus-Quartett sein würde. Nur wenige Wochen folglich erlag jener Bratschist des Quartetts, Peter Schidlof, einem Herzmuskelinfarkt. 40 Jahre weit spielte er mit Norbert Brainin, Sigmund Nissel und Martin Lovett zusammen. Sein Tod löste dasjenige Künstlergruppe aufwärts. Eine Weltalter war zu Finale.

Geboren wurde Hans (Johann), wie er mit seinem Taufnamen hieß, am 9. Juli 1922 in Göllersdorf (Region Hollabrunn), wo seine Erziehungsberechtigte, Wilhelm und Paula Schidlof, zusammensetzen Gemischtwarenladen führten. Seine musikalische Begabung zeigte sich zeitig. Nachdem ersten Anfängen aufwärts jener Geige erhielt er Unterricht in Wien. Ältere Bewohner in Göllersdorf erinnern sich noch an den hübschen Jungen mit dem Violinenkasten unter dem Dürftig, am Weg zum Haltepunkt.

Bedrückende Kindheit
Geigenunterricht in jener Bundeshauptstadt erhielten zu dieser Zeit wenn schon Norbert Brainin und Sigmund Nissel. Jedwederlei waren etwa gleich altbacken wie Hans. Sie nach sich ziehen es später wie Ironie jener Historie bezeichnet, erst in jener Fremde, in einem Internierungslager, aufeinandergestoßen zu sein. Wie Juden mussten sie und ihre Familien nachher dem „Steckkontakt“ um ihre Leben bangen.
Unnachsichtig traf es die Schidlofs. Innerhalb eines Tages mussten sie im Frühling 1938 ihr Haus in Göllersdorf verlassen. Ihre letzte Meldeadresse hatte die Familie in jener Taborstraße im zweiten Wiener Gemeindebezirk. Z. Hd. Hans und seine konzis eineinhalb Jahre jüngere Schwesterherz Ilse konnten Wilhelm und Paula Schidlof im Monat der Wintersonnenwende 1938 Tickets pro zusammensetzen Kindertransport jener Israelitischen Kultusgemeinde nachher Großbritannien sichern. Nachdem verliert sich ihre Spur. Erst geraume Zeit nachher dem Krieg erfuhren die beiden Kinder, dass ihre Erziehungsberechtigte im vierter Monat des Jahres 1942 nachher Izbica deportiert und dort ermordet wurden. Sie nach sich ziehen diesen Schmerz nie verwunden.
In England angekommen, wurden die Schwestern und Brüder nicht angeschlossen. Während sich Ilse wie Dienstbotin und Pflegekraft verdingen musste, hatte ihr Ordensbruder mehr Glücksgefühl. Sein Talent wurde von jener Geigerin Stephanie Hess erkannt. Sie förderte den mittlerweile 17-Jährigen und gab ihm in ihrer Londoner Wohnung Logis. Norbert Brainin zog 1938 zu seinen Verwandten in die City. Sigmund Nissel kam mit einem jener letzten Kindertransporte am 15. März 1939. Jedwederlei hatten die Schrecken jener „Reichskristallnacht“ und die Pogrome an jener jüdischen Volk in Wien hautnah miterlebt.

Peter Kastner, geboren 1964, Studium von Musik und Rechtswissenschaften, lebt und arbeitet wie Rechtswissenschaftler in Wien.

In jener neuen Heimat waren sie zunächst geduldet. Nachdem Eruption des Kriegs wurden Schidlof, Brainin und Nissel jedoch – wie tausende rassisch oder politisch Verfolgte, die sich vor dem Naziregime nachher England sichern konnten – zu „friendly enemy aliens“ erklärt und nachher kurzen Stationen in Durchgangslagern aufwärts die Isle of Man verbannt. Es war, wie die Musiker rückblickend meinten, nachher ihrer Winkelzug aus Wien jener dunkelste Moment in ihrem Leben. Gefangen aufwärts einer Insel zwischen jener Irischen Weiher, hinter Korridoren aus Stacheldraht, bewacht von Soldaten, ohne jede Zweck, und die Fracksausen im Nacken: Wenn die Deutschen den Ärmelkanal durchfahren und aufwärts dasjenige Internierungslager stoßen, gibt es kein Entkommen.
Und doch war dasjenige Camp in Onchan jener Wendepunkt in ihrem Leben. Schnell sprach sich herum, dass es außergewöhnliche Talente waren, die hier festgehalten wurden. Aufgrund ihrer Begabungen und jener zu erwartenden künstlerischen Leistungen ließ man sie ziehen, wenn wenn schon um den Preis, sich zum zivilen Kriegsdienst zu melden. Zurück in London, arbeitete Brainin wie Schlossergehilfe, Nissel in einer Gießerei, Schidlof zwischen einem Zahntechniker.
Geigenunterricht erhielten sie ab 1941 von Max Rostal, jener Assistentenprogramm des berühmten Pädagogen Carl Flesch an jener Hochschule pro Musik in Hauptstadt von Deutschland war, ehe er selbst emigrieren musste. Rostal formte die drei jungen Musiker, bildete sie technisch wie künstlerisch fertig aus, vermittelte ihnen Engagements, gab ihnen den letzten Schliff. Er war ihnen Lehrer, Vaterfigur und Mentor zusammen. Ihm verdanken sie, wie sie nicht müde wurden zu versichern, den Grundstock ihrer Karriere. Er führte sie wenn schon mit dem englischen Cellisten Martin Lovett zusammen.

Lebenslang Freunde
Nicht mehr da vier hatten schon wie Solisten und in Ensembles reüssiert. Schidlof spielte inzwischen intermittierend Geige und Viole. Hinaus Rostals Rat hin hatte er den polyglotten Vornamen Peter fiktional. Schon nachher dem ersten Zusammenspiel wuchs in den vier jungen Musikern jener unbändige Wunsch, sich künftig ganz jener Kammermusik zu zuwenden. Obwohl viele in Schidlof den besseren Violinisten sahen, überließ er Norbert Brainin die Spitze und wandte sich fortan jener Viola zu. Am 10. Jänner 1948 debütierte dasjenige Künstlergruppe in jener Wigmore Nachhall. Erst von kurzer Dauer davor verständigten sich die Musiker aufwärts den Namen Amadeus-Quartett.

Peter Schidlof (rechts) mit dem Amadeus-Quartett.
– © 1laurent234 at English Wikipedia, CC BY 3.0 via Wikimedia CommonsDie Premiere in Londons bedeutsamsten Konzertsaal war ein Wagnis und wurde zum vollen Fortuna. Dasjenige Hörsaal war solange bis aufwärts den letzten Sitzgelegenheit besetzt, die Tonus spürbar: Werden die jungen Musiker die Erwartungen gerecht werden? Dieser „Wolf Gangart“, wie Norbert seine Kollegen und sich spaßhalber bezeichnete, gelang jener Ulk. Vom ersten Ton an gewannen sie dasjenige Publikum. Technisch, stilistisch, musikalisch, in allen Belangen überzeugten sie die Kritiker. Die Rezensionen waren hymnisch.
In den folgenden Jahren gelang es dem Amadeus-Quartett, zu den arrivierten Kammermusik-Ensembles aufzuschließen und sich international zu etablieren. Hinaus ausgedehnte Konzertreisen in Europa, Übersee, dem nahen und fernen Osten folgten Phasen intensiven Probens, in denen an schwierigen Passagen gefeilt und dasjenige Repertoire erweitert wurde. Wenn auch es hiermit nicht immer harmonisch zuging, blieben die Musiker sich gut all die Jahre treu und freundschaftlich verbunden.

Geschicktes Zuspiel
Welche Kameradschaft half wenn schon gut Verletzungen, Krankheiten und Schicksalsschläge hinweg, die keinem erspart blieben. Dass dasjenige Quartett so lange Zeit Verbleiben hatte, nach sich ziehen die Musiker wenn schon ihren Frauen zu verdanken. Sie waren oft wochenlang aufwärts sich gestellt und mussten viele Entscheidungen im Alleingang treffen. 1952 heiratete Peter Schidlof die Schwedin Margit Ullgren. Vier Jahre später wurde ihre gemeinsame Tochter Anmarie geboren. Die vier Familien lebten in London, halfen sich wechselseitig, und boten den Musikern nachher den Tourneen ein Zuhause, in dem sie sich regenerieren konnten.
Gemanagt wurde dasjenige Quartett von Nissel. Er hatte die Kapital gut, verhandelte mit den Konzertagenturen, organisierte die Reisen, erledigte die Korrespondenz. Brainin, aufwärts dem wie Primarius ein hoher Pressung lastete, konnte sich ganz aufwärts sein Spiel verdichten. Inspiriert wurde er von Peter Schidlof, jener feinfühlig zwischen dem Violoncello und den beiden Violinen mittelte, mit sonorem Klang hervortrat, wenn die Viole die Weise übernahm, um sich im nächsten Sekunde wieder vornehm zurückzunehmen. Wissend um die Schwierigkeiten jener ersten Votum, spielte er Brainin geschickt zu. Verbinden mit seinen Kollegen schuf er zusammensetzen edlen Klangteppich, gut dem sich die erste Violine jubilierend erheben konnte.

Reichlich die Jahre wurde die Posten zum führenden Quartett und musizierte mit allen großen Künstlern jener Zeit. 2017 wurde von jener Deutschen Grammophon eine Gesamteinspielung aufwärts den Markt gebracht, die 70 CDs umfasst. Viele jener Tondokumente gelten wie Referenzaufnahmen. Z. Hd. ihre Leistungen wurden die Musiker hochdekoriert und mit Ehrendoktoraten (jener Universitäten York, London und Hauptstadt von Venezuela) geadelt.
Ihrem Fleiß und Plattenlabel verdanken die Künstler jenen Wohlstand, jener es ihnen erlaubte, im Laufe ihrer Karriere wertvolle Streichinstrumente zu erwerben. Ab den 1960er Jahren spielten nicht mehr da vier aufwärts erlesenen Meisterwerken von Antonio Stradivari: Brainin und Nissel aufwärts Violinen aus den Jahren 1725 und 1731, Lovett aufwärts einem Violoncello aus 1725. Dasjenige kostbarste Maßnahme hatte Peter Schidlof. Von den wenigen Violen aus jener Werkstatt des Cremoneser Meisters ist jenes Instanz, dasjenige jener Musiker 1964 erwarb, dasjenige besterhaltene. Genannt nachher einem seiner Vorbesitzer, Freiherr Macdonald, stammt es aus jener Zeit, zu jener Stradivari am Höhepunkt seiner Schaffenskraft war, seiner „goldenen Periode“.

Viola im Tresor
Nachdem dem Tod Schidlofs legten Sammler Angebote in mehrstelliger Millionenhöhe, ehe sich die Familie im Jahr 2014 zu einem Verkauf gut ein Auktionshaus entschloss. Dasjenige geringste Gebot wurde mit 45 Mio. US-Dollar angesetzt, jener mit Distanz höchste Preis, jener je pro ein Streichinstrument verlangt wurde. Trimester weit wurde die Viola unter großem medialen Motivation beworben, in London, New York, Hongkong und Paris ausgestellt und ausgewählten Kunden präsentiert, ehe zu einem Stichtag die Bieter ihre schriftlichen Angebote legten. Die Versteigerung platzte. Dieser Preis war zu hoch. Die Viola wurde eingezogen, liegt seither in einem Tresor und ist nachher wie vor in Familienbesitz.
Wie viele Hexe italienische Streichinstrumente gilt die Macdonald wie launisch und schwierig zu spielen. Ob ihr dasjenige lange Zeit Ruhen guttut, wird bezweifelt. Violinenhersteller wie Instrumentalisten berichten die Sorge, dass es mit fortschreitender Zeit immer schwieriger wird, jenen obertonreichen, silbernen Klang zurückzuerhalten, jener dasjenige Maßnahme einmal auszeichnete. Wer immer künftig seinen gekrümmte Linie darauf ansetzt, sein Spiel wird an dem Peter Schidlofs gemessen werden. In Bezug auf jener Leichtigkeit, technischen Raffinesse, ja aristokratischen Lässigkeit, mit jener jener Musiker seiner Viola die schönsten Töne entlockte, liegt die Latte hoch.

Eine Gedenksäule erinnert am Golders Green Crematorium in London an Peter Schidlof.
– © 1Veertje, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia CommonsIn den Wochen nachher dem Musikaufführung in Cheltenham klagte Peter Schidlof gut Wehtun in jener Titte. Am 14. August 1987 telefonierte er noch mit Sigmund Nissel; er stand Peter wie kein Zweitplatzierter nahe, mit ihm hatte er dasjenige Zimmer aufwärts jener Isle of Man geteilt. Am Tag folglich starb Schidlof an den Nachstellen einer Herzattacke. Er wurde in London beigesetzt.
Ilse übersiedelte 1958 nachher Hamm in NRW. Sie überlebte ihren Ordensbruder um 22 Jahre. Die Namen ihrer Erziehungsberechtigte, Wilhelm und Paula Schidlof, finden sich aufwärts jener verkettete Liste jener 65.000 Todesopfer, die aus Ostmark vertrieben und ermordet wurden, eingraviert in die Steinplatten jener Gedenkstätte aufwärts dem Territorium des Ostarrichiparks, vor jener Oesterreichischen Staatsbank.

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