Klimakrise – „Mit viel Glück kriegen wir noch die Kurve“


Wiener Journal: Eines jener dominierenden Themen des diesjährigen Alpbach Forums ist „Climate Opportunity“. Kann man noch von einer Gelegenheit sprechen oder ist es zu diesem Zweck zu tardiv?

Reinhard Steurer: Man darf nie aufhören, von einer Gelegenheit zu sprechen, um Mut zu zeugen. Tatsächlich sind die hohen Gaspreise eine gute Gelegenheit, schneller aus Fossilenergie aus- und gen erneuerbare Energien umzusteigen. Wir sind durchaus wieder einmal damit, jene Gelegenheit verstreichen zu lassen, denn jetzt ist die größte Sorge, die fossile Energieversorgung pro den Winter zu sichern.

Zur PersonReinhard Steurer ist Professor pro Klimapolitik an jener BOKU Wien. Er absolvierte ein Politikwissenschaftsstudium an jener Universität Salzburg (Dr. phil 2001) und vereinigen Master in Public Policy an jener University of Maryland (USA). Steurer habilitierte 2013 an jener BOKU in Vergleichender Politologie. Er beschäftigt sich mit psychosozialen Mechanismen jener Klimakrise, die Sozialstruktur, Politik und Wirtschaft miteinschließen. Beim EU Alpbach Forum 2022 leitet er dasjenige Seminar „Manifesting European Climate Policy“.

Vertrauen Sie, dass dasjenige ein Ostmark- oder EU-Problem ist?
Es ist schepp durch Europa ein Problem, durchaus ist jener Schwerpunkt gen Energiesparen vor allem in Ostmark insbesondere tardiv und schwach eigentümlich. Wir nach sich ziehen im Zuge dessen sicher wertvolle Zeit pro angemessene Lösungen verloren.
Wie kann man die Gas- und die Klimakrise verbinden in Überfall nehmen?
Die hohen Preise pro Fossilenergie sind die ideale Gelegenheit, aus Fossilenergie schneller wie geplant auszusteigen. Zudem gilt: Wenn wir diesen Ausstieg jetzt nicht forcieren, dann wird es in ein paar Jahren nicht mehr drum in Betracht kommen, die Klimakatastrophe zu verhindern, sondern nur noch drum, sie zu verzögern. Wir stillstehen von kurzer Dauer vor diesem historischen Moment, wenn er nicht schon passiert ist. Mit viel Glücksgefühl nach sich ziehen wir noch ein paar Jahre, um die Kurve zu kriegen. Viel spricht zu diesem Zweck, dass es schon sehr konzis ist – die hohe Methankonzentration in jener Lufthülle, Waldbrände, die viele zusätzliche Emissionen verursachen, und die extreme Eisschmelze an den Polen.
Wenn die nächsten Jahre entscheidend sind, wieso hat man dasjenige jahrzehntelang verschlafen?
Die Klimakrise entwickelt sich so langsam und zeitverzögert, dass es leichtgewichtig war, sie zu verdrängen und zu verharmlosen. Jetzt ist ein Zähler erreicht, an dem dasjenige nicht mehr ohne gravierende Hinterher gehen geht. Dasjenige Szenario, gen dasjenige wir derzeit zusteuern, ist unzweideutig: Zwischen einem „weiter so“ wird unsrige Zivilisation, wie wir sie Kontakt haben, im Wirrnis versinken. Zum Vorbild, weil die Nahrungsmittelversorgung und globale Lieferketten zusammenbrechen werden. Die Wissenschaft warnte genau davor seither Jahrzehnten, dennoch weite Teile jener Sozialstruktur wollen es immer noch nicht wahrnehmen. Die derzeitige Position ist tatsächlich sehr grimmig.
Die EU gilt wie Vorreiter im Schutz des Klimas, dennoch kann sie irgendetwas gen globaler Level hinstellen, wenn andere Industriestaaten nicht nachziehen?
Ganz sicher. Es können sogar Nationalstaaten irgendetwas hinstellen, wenn sie ernsthaft eine Lösungskonzept verfolgen. Dazu gibt es schöne Beispiele. Deutschland hat ein paar Jahre die Energiewende mit Nachdruck betrieben. Dasjenige war maßgeblich pro den Perforation jener Solartechnik. Die Preise sind seitdem stark gesunken. Ident sieht man nebst Autos. Die Politik in Norwegen war pro den Perforation von E-Autos weltweit entscheidend. Heute werden dort so viele emissionsfreie Pkw zugelassen wie sonst nirgendwo gen jener Welt, und andere ziehen nachher. Somit können sogar einzelne Länder wichtigen Lösungen zum Perforation verhelfen. Wenn dasjenige EU-weit passiert, gilt dasjenige noch viel mehr.

Nuklearenergie wird derzeit gerne „grüngeredet“.
– © Monty Rakusen / GettyDie EU kann die Klimakrise dennoch obwohl nicht ausschließlich losmachen.
Andererseits technische Entwicklungen können von Wirtschaftsräumen wie jener EU angetrieben werden. Solarenergie ist heute z. B. die billigste Form jener Stromproduktion, viel billiger wie Kohle- oder Gasverstromung. Dasjenige hat weltweit Geltung. Zusätzlich sollte die EU Importe aus Ländern ohne Kohlendioxid-Preis mit einem Zoll versehen. Dasjenige ist pro 2026 vorgesehen, kommt dennoch wie weitestgehend jede zeitkritisch nötige Maßregel um Jahre zu tardiv. Jedenfalls wäre ein Kohlendioxid-Zoll pro Länder wie Volksrepublik China ein Anreiz, selbst vereinigen Kohlendioxid-Preis einzuführen und somit Emissionen zu senken.
Ist es nicht scheinheilig zu behaupten, die EU sei ein Schutz des Klimas-Vorreiter? Ein Teil jener Verschmutzung findet nicht mehr in jener EU statt, sondern sie wird in Länder wie Volksrepublik China ausgelagert.
Durch Importe und Verbrauch verursachen wir tatsächlich mehr Emissionen, wie offizielle Statistiken transparent machen. Dasjenige noch größere Problem ist jedoch, dass nationale Emissionen ebenfalls in jener EU zu langsam reduziert werden, insbesondere in Ostmark. Zwischen uns sind Kohlendioxid-Emissionen seither 1990 unverändert hoch geblieben. Dasjenige ist eine klimapolitische Bilanzaufstellung des Scheiterns, die zum Schämen ist.
Hat die Klimakrise neokoloniale Züge? Die Menschen im globalen Süden zahlen den Preis zu diesem Zweck, dass Industrieländer wie Ostmark die Humus seither Jahrzehnten heruntergewirtschaftet nach sich ziehen.
Diejenigen, die am wenigsten zu dem Problem beigetragen nach sich ziehen, werden in jener Tat am stärksten darunter leiden, vor allem afrikanische Länder. Um dasjenige irgendetwas auszugleichen, wäre finanzielle Unterstützung durch den reichen Norden zeitkritisch nötig, pro Emissionsminderungen und Konfiguration. Im Paris-Kontrakt sind 100 Milliarden Dollar an „Klimafinanzierung“ jährlich versprochen worden. Dasjenige Geld fließt solange bis heute nicht. Dasjenige ist ein weiteres Vorbild zu diesem Zweck, dass Ankündigungen und Umsetzungen in jener Klimapolitik traditionell weit auseinandergehen.
Welches könnte man unternehmen, um die Menschen gen die Priorität jener Klimakrise fürsorglich zu zeugen?
Am wichtigsten wäre mediale Berichterstattung. Wir bräuchten aufrüttelnde Botschaften und Berichte aus den „Intensivstationen jener Klimakrise“, so homolog wie während jener Weltweite Seuche-Wellen. Die Klimakrise ist zwar homolog unvermittelt auftretend, dennoch man nimmt es noch nicht so drastisch wahr. Die Verantwortung liegt nebst allen, dennoch die jener Medien ist insbesondere weithin, weil sie darüber entscheiden, wie wir dasjenige Problem und nötige Lösungen wahrnehmen. Bisher ist die mediale Berichterstattung oft verharmlosend. Einem Majorität jener Nation ist nicht lukulent, dass unsrige Zivilisation schon in den nächsten Jahrzehnten im Wirrnis versinken könnte.
Die mediale Berichterstattung jener Weltweite Seuche hat zu einer Abstumpfung nebst den Menschen geführt. Könnte es beim Witterung homolog sein?
Dieser größte Fehler in jener Corona-Zwangslage war, dass zunächst übertrieben und dann wieder oft verharmlost worden ist. Dasjenige hat nachvollziehbaren dicke Luft und Frust produziert. Insofern ist es in jener Klimakrise wichtig, realitätsnah und faktenorientiert zu kommunizieren. Die Fakten sind gewaltsam genug. Da braucht man nicht mehr übertreiben, nur berichten welches ist – und voraussichtlich sein wird.
Ausgenommen von jener Sozialstruktur, welches könnte die Politik tun?
Am wichtigsten wäre, dass die Politik aufhört, Märchen zu erzählen. Zum Vorbild, dass Ostmark mit jener derzeitigen Politik solange bis 2040 klimaneutral sein kann oder dass solange bis 2030 jener gesamte Strom aus erneuerbaren Quellen stammen wird. Beim derzeitigen Reform-Zeitmaß ist sowohl als auch mit Sicherheit unmöglich und dasjenige sollte ebenfalls ungeschützt gesagt werden. Und wenn Volksvertreter dasjenige nicht sagen, dann sollten Medien zumindest nebst Wissenschaftern nachfragen. Dasjenige würde helfen, die sehr beunruhigende Wirklichkeit nicht aus den Augen zu verlieren.
Wo müsste die Wirtschaft veranschlagen, um Lösungen zu fördern?
Die Wirtschaft hat schmerzhaft gelernt, dass die Zeit des grünes Licht geben Gases vorbei ist. Es ist ein Umdenken im Gangart und hoffentlich werden jetzt die Standort- und Wettbewerbsvorteile von erneuerbaren Energien erkannt. Vermutlich werden Regionen mit wenig erneuerbaren Energien in ihrem Strommix an Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Vor diesem Hintergrund müssten Wirtschaftskammer und ÖVP im Prinzip damit aufhören, Klimapolitik auszubremsen. Und Wirtschaftsvertreter müssten laut aufschreien, wenn z. B. die Landeshauptfrau von Niederösterreich sagt, sie möchte keine neuen Windräder, weil jene dasjenige Landschaftsbild stören.
Schutz des Klimas bringt ja oft nicht viel. Sie sprechen in dem Zusammenhang von „symbolischen Ersatzhandlungen“. Welches ist dasjenige genau?
Dasjenige bedeutet, dass zwar weitestgehend nicht mehr da Schutz des Klimas wollen, dennoch möglichst wenig zu diesem Zweck zu tun oder zu zahlen fertig sind. Wir stillen dasjenige Bedürfnis nachher Schutz des Klimas mit Dingen, die möglichst leichtgewichtig und kostengünstig sind. Beim Einzelnen wäre dasjenige zum Vorbild Mülltrennung und Wiedergewinnung.

Mülltrennung funktioniert schon recht gut.
– © Artur Debat / GettyWenn es dennoch drum geht, die großen Pipapo anzupacken, wie etwa nicht mehr so oft in den Urlaub zu segeln oder weniger Fleisch zu essen, dann wird es schwieriger. In jener Politik sehen wir ähnliche Phänomene. Die einfachste politische Ersatzhandlung ist, Ziele verkünden. Solange bis 2040 klimaneutral sein, dasjenige klingt super und man kann damit Wahlen profitieren, weil es heute niemandem weh tut. Kurzum: Wir verarschen uns beim Schutz des Klimas gerne selbst.
Nachrangig Unternehmen betreiben Scheinklimaschutz. Wenn Unternehmen dennoch stillschweigen würden, wäre die Verdrängung noch größer. Welches ist dasjenige geringere Schurkerei?
Zum Einen ist gleich unwohl. Die Wunschvorstellung des Tuns ist mindestens so schlimm wie nichts zu tun, vielleicht sogar schlimmer, weil damit irgendetwas vorgetäuscht wird. Wenn Unternehmen nur so tun, wie ob ihnen Schutz des Klimas ein Bevorstehen sei, dann müsste man dasjenige zu erkennen geben, ob journalistisch, durch NGOs oder während Konsumenten ungelegen prüfen. Noch leichter wäre es, wenn man Werbung mit Scheinklimaschutz gesetzlich strikter schalten würde.
Denken Sie, dass ebenfalls eine bewusstere Sprache im Umgang mit jener Klimakrise wichtig wäre?
Ganz sicher. Die Verharmlosung des Problems fängt mit den Begriffen „Klimawandel“ oder „globale Erwärmung“ an. Klimawandel ist pro mich mittlerweile ein Unwort, dasjenige niemand mehr verwenden sollte. Es ist untätig und verharmlosend. Dasjenige Witterung wandelt sich und es fühlt sich an, wie ob man von Wien nachher Rom gen Urlaub fährt. Nachrangig Erwärmung ist unpassend, weil Wärme pro jeden irgendetwas Angenehmes ist. Passender sind Begriffe wie Klimakrise, Klimanotstand oder globale Erhitzung. Sie signalisieren die gebotene Priorität.
Wie wird sich dasjenige „neue“ Europa in jener Klimakrise szenisch verändern und welche Konsequenzen hat dasjenige pro die Landwirtschaft? Z. B. in Italien?
Die Weiterentwicklung von Südeuropa zeichnet sich im warme Jahreszeit 2022 klar ab. Wenn die Weiterentwicklung so weitergeht und wir gen drei Qualität Erhitzung zusteuern, werden weite Teile Südeuropas wortwörtlich verwüstet werden. Nordsahara sozusagen. Wenn Landwirtschaft in dem Szenario dort noch möglich sein sollte, dann nur aufwendig mit teurer Bewässerung. Nachrangig in anderen Teilen Europas, so ebenfalls in Ostöster-reich, werden wir vermehrt Ernteausfälle sehen. Dasjenige wird Hungersnöte pro Mio. oder gar Milliarden von Menschen mit sich herbringen. Wenn wir weiter in Richtung drei Qualität in Betracht kommen, wird die Weltbevölkerung nicht mehr zu ernähren sein.
Wie müsste ein neues Europa aussehen, damit es lebenswert pro nicht mehr da bleibt?
Dazu wäre es zeitkritisch nötig, die Emissionen weltweit rasch zu senken – möglichst ab sofort, und zwar mindestens um sieben v. H. im Jahr. Die Emissionen nur in Europa zu senken reicht nicht mehr aus, um eine Katastrophe abzuwenden. Im Moment steigen die globalen Emissionen durchaus nachher wie vor. Um die Trendwende zu schaffen, müsste Schutz des Klimas höchste Priorität bekommen. Wenn andere Länder Schutz des Klimas weniger grimmig nehmen wie die EU, dann müssten wir ebenfalls den Freihandel mit ihnen in Frage stellen, um in Maßen Komprimierung aufzubauen. Man ahnt es schon: Sie Trendwende zu schaffen, wird sehr schwierig, dennoch sie ist möglich – technisch und politisch.
Ist dasjenige gen EU-Level nicht noch schwieriger, wenn viele verschiedene Akteure vorhanden sind?
Es ist schwierig, weil es um viel Geld geht. Grade nach sich ziehen Atom- und Gaslobby vereinigen Triumph davongetragen. Dasjenige können wir uns im Prinzip nicht mehr leisten. Welches fehlt, ist in Maßen Komprimierung aus jener Nation. Es braucht Massenbewegungen wie „Fridays for Future“, die besseren Schutz des Klimas einfordern, in Umfragen, an Wahltagen und ebenfalls gen jener Straße. 2019 hat jene Regung gezeigt, welches in kurzer Zeit möglich ist. Dasjenige würden wir nochmals nötig haben. Leider ist die Sozialstruktur derzeit „krisenmüde“ beziehungsweise mit anderen Krisen beschäftigt. Blöderweise lässt sich wirksamer Schutz des Klimas nicht mehr verschieben. Entweder eine Mehrheit fordert, dass sich vieles rasch ändern muss, oder es wird nichts mehr so sein, wie es einmal war.

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