Imagine Dragons – Presswehen und Ohrwürmer


„It’s time to begin, isn’t it?“ Kaum hat die US-Musikkapelle Imagine Dragons ihre Arbeit im Wiener Grimmig-Happel-Stadion am Mitte der Woche gegen 21 Uhr doch noch aufgenommen, passiert vor vorgeblich konzis 40.000 Besuchern trotz erheblicher Ellbogenfreiheit im Vorderseite-Stage-Gültigkeitsbereich eines: Seinem Bombastpop-Image in Bezug auf lässt dasjenige Quartett aus jener Glitzer- und Glücksspielmetropole Las Vegas gleich einmal mehrere Lastwagenladungen Konfetti jenseits dem Publikum weinen. Strecke vor Showstart hat man noch gesondert Personal zu diesem Zweck abgestellt, die Podium zu schrubben – und dann muss erst wieder jener Laubbläser her!

Okay, nicht okay
Vorweg zwischen Song Nummer zwei schon pyrotechnische Einlagen und gleich darauf schon wieder Konfetti gehorchen, darf man sich denn geübter Stadionkonzertbesucher schon einmal wundern. Du liebe Qualität, welches kommt da – außer jener Musik – noch hinaus uns zu? Womit man hindeuten muss, dass zumindest die Feuerspiele nicht nur im Vergleich zu einer herkömmlichen Stadionshow von AC/DC (TNT tonnenweise) oder Rammstein (Dauerdetonationen im Führerbunker) lieber lachhaft und/oder liebevoll wirken.
Wenigstens handelt es sich zwischen Imagine Dragons um eine Musikkapelle, deren Sänger sich hinaus jener Podium nachher dem Wohlergehen jener Fans erkundigt, mit zu seiner Heimatstadt passendem falschem Pathos und schlecht gemimter Zitterstimme zu Händen den Weltfrieden plädiert oder uns mit hinaus den Weg gibt, dass es okay ist, nicht okay zu sein – und Psychotherapie in Anspruch zu nehmen. Wenn in esoterischen Videozuspielern nicht ohne Rest durch zwei teilbar Lebensberatung zu Themen wie „Why must things change?“ (Wir werden aufgebraucht sehr nachdenklich) oder „To truly hold something is to let it go“ (anwesende Erziehungsberechtigte, zugehört!) hinaus dem Sendung steht, nimmt sich Dan Reynolds heute aus diesem Grund ausgiebig Zeit, um den Prediger zu verschenken. Welcher Mann mag zwar aussehen wie ein grober Klotz aus jener Muckibude, jener jederzeit parat ist, uns eine aufzulegen, er ist denn einstiger Missionar jener Religionsgemeinschaft Jesu Christi jener Heiligen jener Letzten Tage dann nunmehr eh dazu begeistert, uns den rechten Weg zu weisen: „Love yourself! You are worth it!“
Ssssssss! Nachdem ohne Rest durch zwei teilbar wieder einer dieser mickrigen Feuerwerkskörper hochgestiegen ist, wie man sie von Silvesterfeiern des Sparvereins Badeanstalt Wimsbach-Neydharting kennt, geht jener Frontmann gleich noch hinaus die Kniegelenk, um sich zu Händen unsrige Beisein zu bedanken. Er erinnert sich an den ersten Wien-Live-Gig seiner Musikkapelle vor weniger denn 200 Besuchern (2013 im Trennschleifer) – und uns damit an eine im Fachbereich Rockmusik in den letzten zehn Jahren lieber ungewöhnliche Karriereexpansion. Rockmusik ist nun gewiss weniger eine Zustandsbeschreibung denn – man hört es – vielmehr ein leeres Versprechen.
„Vienna, we love you!“ Imagine Dragons sind schließlich nebensächlich zu diesem Zweck von Rang und Namen, sich mit Nickelback ein hartes Kellerderby um den Ruf denn uncoolste Musikkapelle des Planeten zu liefern. Mit Reynolds in Jogginghose und einem Freizeithemd aus dem Diskonter, dem Bassisten Ben McKee mit nachkriegsbeiger kurzer Hose im Seniorenschnitt (aus diesem Grund ohne Schnittwunde) und dem Stirnband tragenden Daniel Platzman am Schlagzeug weiß man nebensächlich optisch, warum.
Stark Straße, gute Zeremonie
Sehr wohl versteht es die Musikkapelle, ihren stilistisch breit, sprich diffus, nunmehr berechnend im Poprockbereich angelegten und mit reichlich Elektronik und Querbezügen zu Folk und Hiphop versehenen Genremix nicht nur jener Zielgruppe unterzujubeln. Fiese Ohrwürmer kann sie: Gleichwohl wer den Namen Imagine Dragons nicht kennt, dürfte mit diesen im Supermarkt zwischen dem Waschmittelregal und jener Wurstbudl lauernden Songs durchaus vertraut sein.
In Wien setzt es 21 davon, die sehr oft von „struggles“ und „let-downs“ erzählen. Dan Reynolds lebt sie so intensiv vor, dass sein Gesang mitunter an Presswehen erinnert. Unterbrochen von einem Akustikteil hört man Musik gewordene Holzschnitte um bisherige Greatest Hits von „Demons“ oder „Radioactive“ aus dem Premiere „Night Visions“ von 2012 jenseits dasjenige überdramatische „Shots“ aus „Smoke + Mirrors“ von 2015 solange bis herauf zu den mit Rick Rubin produzierten Stücken von „Mercury – Act 1“, dessen zweiter Teil kommende Woche erscheint und zumindest mit jener Vorabsingle „Bones“ live vertreten ist.
Schön nebensächlich die Botschaft zu Händen junge Konzertbesucher, dass man hinaus jener harten und langen Straße des Lebens niemals passen darf. So ein Imagine-Dragons-Musikaufführung ist zu diesem Zweck eine sehr gute Zeremonie.

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