Erinnerungskultur – Ein 100 Kilometer langes Denkmal


Sie sehen aus wie normale Grenzsteine, die Betonblöcke, die in den letzten Wochen weiter jener Vorarlberger Radroute Nr. 1 aufgestellt wurden. Doch statt mit den Namen jener angrenzenden Länder sind sie mit den Namen von Menschen beschriftet, deren Schicksal sich an jener betreffenden Stelle entschied. Reichlich vereinen QR-Identifikator uff jener Oberseite des Steins gelangt man mit dem eigenen Smartphone uff eine Website mit Fotos und einem kurzen Hörspiel übrig die jeweilige Person.

Da schallt einem dann bspw. jener Schlager „Vereinigte Staaten von Amerika, du hast es besser“ entgegen, den ein gewisser Willy Spender in Wien komponiert hatte und jener 1932 uff Schallplatte erschien. Spender gehörte zu den glücklichen Menschen, die es im warme Jahreszeit 1938 schafften, die grüne Grenze in die Schweiz zu erobern – unterstützt von SS-Männern, die einst jüdischen Bürgern noch im Kontext jener Winkelzug halfen, nicht ohne sie vorher gründlich auszurauben. Die Schweiz hatte da schon beschlossen, keine jüdischen Flüchtlinge mehr ins Nation zu lassen – aus Fracksausen vor einer „Überfremdung“, wie jener Chef jener Schweizer Fremdenpolizei, Heinrich Rothmund, argumentierte. Beiläufig an Rothmund und seine antisemitische Politik wird an einer jener Hörstationen erinnert.

Die Abfahrtsorte jener Fahrradsternfahrt und Mitteilung zu geführten Radtouren finden sich uff: https://www.jm-hohenems.at/programm/ueber-die-grenze.

Spender war einer jener Glücklichen, die es übrig die grüne Grenze in die Schweiz schafften. – © Jüdisches Museum Hohenems / Familienarchiv GeberWilly Spender schlug sich jedenfalls solange bis nachher St. Gallen durch, und gelangte später sogar in dies „bessere“ Vereinigte Staaten von Amerika. „Wir nach sich ziehen es geschafft! Hoffe euch die Gesamtheit vollwertig! Und was auch immer in Systematik“, schrieb er noch an die Zurückgebliebenen in Wien. Seine Karriere denn Schlagerkomponist konnte er schon in den USA nicht fortsetzen. Er schrieb weiter Songs, allerdings keiner fand mehr den Weg uff eine Schallplatte.

Idee aus dem Lockdown

Grenzwächter am „Rohrleitung“ in Lustenau, um 1940. – © Robert Schlachter / Historisches Dokumentensammlung LustenauDie Idee mit den Hörstationen kam dem Rektor des Jüdischen Museums Hohenems, Hanno Loewy, während jener Lockdowns jener vergangenen zwei Jahre, denn er sich mit seiner Nullipara zu Standvorrichtung und mit dem Fahrrad weiter jener Schweizer Grenze „die Füße vertreten“ wollte – die Grenze selbst war ja zum ersten Mal seitdem 1945 hermetisch abgeriegelt und nur mit Sondergenehmigung zu erobern. Natürlich kannte er die eine oder andere Fluchtgeschichte, kann man sie doch in seinem Museum nachlesen oder sich uff speziellen Führungen erzählen lassen, allerdings an jener Grenze selbst gab es bisher nur eine Gedenktafel, und die erinnert an den Schweizer Polizeihauptmann Paul Grüninger, jener wegen seiner illegalen Hilfe für jedes jüdische Flüchtlinge vor Strafgericht gestellt und seines Amtes enthoben worden war.

Dieser Weg in den Rappenwald an jener Grenze zu Liechtenstein, wo Hilda Monte am 17. vierter Monat des Jahres 1945 erschossen wurde, 2022 . – © Dietmar Walser / Hohenems“Reichlich die Grenze“ heißt dies Projekt jetzt, dies am Sonntag mit einer Fahrradsternfahrt aus sieben verschiedenen Orten und einem Festakt in Hohenems eröffnet wurde. Hanno Loewy: „‚Reichlich die Grenze‘ erzählt von Odysseen durch ganz Europa und von einheimischen Schmugglern, die zu Fluchthelfern werden, von Liebenden, die aus dem Loch hervorbrechen, von Kriegsgefangenen, die sich verirren, von protestierenden Schülerinnen und Verhören durch die Gestapo, von Abenteuern am Geburtstag, von gefährlichen Wegen übrig den Rhein und die Berge – von menschlichem Mut, Verfolgung, Behördenwillkür und Widerstand.“
Da wäre zum Vorbild die Vergangenheit jener Hilda Monte, die sozusagen Hilda Meisel-Olday hieß: Geboren 1914 in Wien, wuchs sie in Spreeathen uff, lebte später in Paris und London und war während jener NS-Zeit unermüdlich denn Widerstandskämpferin in- und external des Nazireichs unterwegs, machte in Büchern, Aufsätzen und Radiosendungen jener BBC uff die Gräueltaten jener Nazis fürsorglich. Von kurzer Dauer vor Kriegsende reiste sie im Auftrag des amerikanischen Geheimdienstes OSS und österreichischer Sozialisten nachher Französische Republik, in die Schweiz und schließlich nachher Vorarlberg. Beim Versuch, uff dem Rückweg die grüne Grenze nachher Liechtenstein zu queren, wurde sie erwischt. Denn sie nachher einem Verhör zu fliehen versuchte, fielen tödliche Schüsse. Meisel-Olday, die sich in ihren Schriften Hilda Monte nannte, wurde uff dem evangelischen Kirchhof in Feldkirch denn Eva Schneider begraben. Dies war jener Name, jener in ihren gefälschten Papieren stand.
Die Grenze zur Schweiz wurde allerdings nicht nur jüdischen Flüchtlingen und Widerstandskämpferinnen zum Verhängnis, sondern sogar Deserteuren, politisch Verfolgten oder Zwangsarbeitern: In Lustenau bspw. erinnert eine Station an den Deserteur Josef Hagen, jener beim Versuch, die Grenze zu vorbeigehen, von Gendarmen erschossen wurde. Seine Verwandten landeten wegen „Begünstigung jener Winkelzug“ vor Strafgericht. Und im Montafon kann man sich die Vergangenheit von Meinrad Juen vernehmen, jener denn geübter Schmuggler mehrere zwölf Stück Menschen übrig die Gebirgspässe in die Schweiz geleitete, ehe er 1942 verhaftet wurde. Es gelang ihm, zu fliehen und sich solange bis zum Kriegsende vor den Verfolgern zu verstecken.

52 Geschichten
Hinauf dem Weg von Lochau solange bis nachher Partenen lernt man allerdings sogar sogenannte „U-Boote“ (Menschen, die sich siegreich vor jener Verfolgung versteckten oder unter falschem Namen weiter lebten) und Zeitzeugen Kontakt haben, die einst von ihren Erlebnissen berichteten. Neben Originaltönen aus Interviews vorhanden die kleinen Hörspiele aus Zitaten und Erzählungen, die von Loewy selbst, allerdings sogar von Schauspielern und Historikern sowie dem Verfasser Michael Köhlmeier vorgetragen werden.
Insgesamt nach sich ziehen Loewy und sein Team (Recherche: Raphael Einetter und Niko Hofinger) 52 Geschichten zusammengetragen, von denen rund die Hälfte bisher weitgehend unbekannt war. Die dazugehörigen Stationen findet man zwischen dem Bodensee und dem Standvorrichtung jener Silvretta weiter des Seeufers, des Rheins und jener Ill (eine eigene Übersichtskarte gibt es sogar online). So oder so entpuppte sich die Idee denn Mammutprojekt: Die Realisierung bedurfte nicht nur einer Zusammenarbeit mit den Nachbarstaaten (wenige jener Stationen entscheiden sich uff Schweizer bzw. Liechtensteiner Staatsgebiet), sondern sogar mit 22 Städten und Gemeinden. Dazu kamen Genehmigungen von Institutionen und Behörden (Umweltschutz, Wasserrecht) dies- und jenseits jener Grenze – ganz außer von jener Produktion von Hörspielen, jener Website, einer Fahrradkarte und demnächst eines Begleitbuches. Loewy und dies Team des Jüdischen Museums nach sich ziehen sogar – verbinden mit Partnern in den Ortsarchiven weiter jener Strecke – geführte Radtouren organisiert, die den ganzen warme Jahreszeit übrig angeboten werden. Da zeigt dann zum Vorbild jener Historiker und Ex-Nationalratsabgeordnete Harald Walser, wo die Menschen in seiner Heimatgemeinde Altach die Grenze in die Schweiz überquerten.

Niederschwelliges Angebot
Hanno Loewy hat jedenfalls während jener Fortgang des Projektes einiges gelernt – nicht nur übrig die Vergangenheit jener Region: „Wer weiß schon, dass dies Bodenseeufer im Kontext Lochau weder noch zu Lochau gehört, sondern zu Bregenz?“ Wichtiger ist dem umtriebigen Rektor allerdings, dass er mit dem 100 Kilometer langen Gedenkweg ein niederschwelliges Angebot für jedes Menschen schafft, die nicht unbedingt solange bis ins Jüdische Museum kommen: „Wir nach sich ziehen extra darauf geachtet, dass es im Kontext den meisten Stationen sogar eine Möglichkeit gibt, eine Pause zu zeugen und sich in Ruhe die Geschichten anzuhören“.
Wie viele jener Radwanderer, die weiter des Rheins oder jener Ill unterwegs sind, tatsächlich von dem Angebot Gebrauch zeugen werden, wird sich erst zeigen. Reichlich die Frage, ob es 77 Jahre nachher dem Finale des Krieges noch nötig ist, an so vielen Stellen an welche Zeit zu erinnern, schüttelt Hanno Loewy jedenfalls nur den Kopf: „Dies ist ja nicht nur Vergangenheit. Viele dieser Geschichten sind von unserer Präsens und dem jetzigen Umgang mit Geflüchteten weder noch so weit fern, wie man vielleicht Vertrauen schenken möchte. Und wohin Ängste und Hass, mediale Hetze und öffentliche Entwertung von Menschen resultieren können, dies kann man hier eindrucksvoll studieren.“

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